Das Leben ab 2014 nach der Wiedervereinigung

Vieles habe ich bisher zum Leben auf Krim, nach dem Maidan in Kiew, geschrieben. Hier möchte ich mal kurz zusammenfassen wie sich das Leben, Stand September 2015, darstellt und was mir vor Ort aufgefallen ist.

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Die Krim gehört wieder zu Russland. Wer davor nicht dort gewesen ist, wird nicht glauben, dass es einmal anders war!

Nach meinen Eindrücken ist die Wiedervereinigung mit Russland ein direktes Ergebnis des Maidans. Nicht weil in der Ukraine ein Regierungswechsel stattgefunden hatte, dass war auch bei der orangenen Revolution mit Timoschenko als Präsidentin der Fall.
Es kam so, weil erkennbar antirussische Kräfte mit Hilfe der USA und der EU an der Macht beteiligt wurden. Es kam so, weil die Menschen, die zuvor in der „Automen Republik Krim“ gelebt haben, Angst vor Repressionen und vor allem vor kriegerischen Auseinandersetzungen, ähnlich im Donbass, hatten. Es kam so, weil die Menschen in der „Autonomen Republik Krim“ weiterhin russisch als Amtssprache behalten wollten und weil die Menschen die dort lebten, in überwältigender Mehrheit den Anschluss an Russland wollten.

Es wird viel gebaut.

Sowohl in Simferopol als auch im Großraum Yalta fällt auf, dass sehr viel gebaut wird.
So wurde in nahezu einem Jahr der Flughafen in Simferopol wesentlich vergrößert. Eine bauliche als auch logistische Meisterleistung, denn entgegen meiner Erwartungen ist nicht nur zweckmäßig, sondern auch ansehnlich gebaut worden.

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Terminal A, nachts um halb eins

Ebenfalls wurden die Schulen saniert und auf modernen Stand gebracht. So manche Schule in Deutschland hätte gern solche Ausstattung:

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Beamer, Interaktives Whiteboard, PC, TV

Erstaunlicher Weise waren in dieser Schule am Rande von Yalta fast alle Räume technisch auf neuestem Stand. Auch die Wege von den Bushaltestellen zu den Schulen wurden saniert.

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Mein erster Eindruck: Nicht nur am Hafen, überall in Yalta (Jalta) wird gebaut. Die Region putzt sich für die Saison heraus))

Erneuert wurden in Yalta Passagen der Promenade. Parallel wird massiv in neue Appartements investiert.

Das Leben ist teurer aber besser geworden.

Es klingt zuerst widersprüchlich. Die Preise für Lebensmittel sind innerhalb eines Jahres spürbar gestiegen. Allein in der Zeit vom Oktober 2014 bis Frühling 2015 um ca. 20%.
Ursachen dafür gibt es viele. Nennenswert sind der Rubelverfall, die Handelsverhinderungen seitens der Ukraine, die Sanktionen Russlands gegenüber der EU und der erhebliche Einkommenszuwachs.

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wer gut und frisch kaufen möchte, geht auf den Markt

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Auf dem Markt in Yalta gibt es alles, was den Gaumen kitzelt….

Den Preissteigerungen entgegen wirkt der, gegenüber der Ukraine wesentlich höhere, Lebensstandard in Russland. So bekommen Rentner mindestens die doppelte Rente und z.B. Lehrer mehr als das doppelte Gehalt. Dies gilt für jeden Bewohner der Krim, unabhängig seiner Wurzeln, also egal ob Russe, Ukrainer oder Tatar. Einzige Bedingung ist die Beantragung des russischen Passes.

Highlight

Für einige ältere Einwohner von Jalta (Yalta) ein Highlight. Der Tanz bis in den Sonnenuntergang.

Ganz ohne Kosten genießen überwiegend ältere Einwohner den Tanz in den Abend. Hierzu werden für zwei oder drei Stunden, ich habe die Zeit nicht gemessen, „sowjetische“ Schlager und Folklore gespielt. Das Bild hier zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der temporären Tanzfläche.
Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass die Menschen sich etwas vormachen. Das Leben in den Städten und Dörfern ist gelassen. Der Politik und den Medien wird nicht zu sehr getraut.

Es ist sehr voll.

Wer hiesigen Medien glauben schenkt, wird glauben, dass aufgrund der Sanktionen, der Reisewarnungen und des Wegfalles ukrainischer Touristen, die Urlaubsgebiete menschenleer sind.

Die Realität sieht so aus:

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September, also außerhalb der Hauptsaison 2015 am Stadtstrand von Yalta

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Ebenfalls im September 2015 aufgenommen.

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hier eine Aufnahme aus dem Mai aus Gurzuf.

Der Tourismus lebt. Die Menschen kommen hauptsächlich aus Russland, seid 2015 aber auch zunehmend aus China, Georgien und vermehrt wieder aus Deutschland.
Bei meiner letzten Reise nach Simferopol waren aus mir mindestens sechs weitere Deutsche im Flugzeug. Auch auf der Strandpromenade in Yalta ist zunehmend wieder „Deutsch“ zu hören.

Die Hotels sind gut ausgebucht, bei solchen Ansichten:

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oder solchen:

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Gurzuf im März 2015 am späten Nachmittag

ist das auch kein Wunder!

 

 

 

 

Die Ruhe vor dem Ansturm

Ende Mai, Anfang Juni lässt sich die Region Großyalta in Ruhe genießen.
Zwar gibt es genügend Touristen, viele mit schmalem Geldbeutel, aber im Vergleich zum Massenansturm im Sommer kann man fast die Einsamkeit genießen. Die Temperaturen sind mild, das Meer jedoch noch nicht warm genug für ausgiebige Badegänge.
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Das Bild habe ich am Abend am Massandra Strand aufgenommen.
(Mit dem Handy, die Bildqualität hat mich selbst erstaunt).
Blickt man von diesem Ort nach rechts, sieht man:

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Yalta aus Sicht von Massandra

Yalta und das wunderschöne Relief bis hin zum Ai Petri.
An diesem Abend saßen wir fast allein am Wasser. Ich hatte ein leckeres Schiguli Bier dabei und meine Begleitung genoss frische Crevetten.

 

Außer uns waren nur Angler am ruhigen Meer.

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Vormittags, vor dem Frühstück, zog es uns regelmäßig zum Kaffischka, einer Kaffebar, die durchgängig geöffnet hat und sehr guten Kaffee anbietet. Ein zweiter Geheimtipp sind die beiden Julius Meindl Bäckereien, die es in Yalta gibt. Hier gibt es unschlagbare Croissants😉

Das Kaffischka lag auf unserem weg zum Markt, wo wir gewöhnlich unsere Lebensmittel kauften.

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Die Fleischabteilung des Marktes in Yalta

Mal abgesehen davon, dass ich dort letztes Jahr einmal beim Wurstkauf gehörig über den Tisch gezogen wurde, haben wir hier sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Einkaufen auf dem Markt, wo es auch Gemüse, Obst, Gewürze, Käse, Butter, Säfte, Tee….. gibt ist immer wieder ein besonderes Erlebnis.

Mai/Juni 2015 – Allgemeines zum Leben auf Krim

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9. Mai

Im Jahr 2015 hatte ich noch zweimal das Glück, die Region zu bereisen. Einmal Ende Mai / Anfang Juni und einmal im Spätsommer.

In dieser Zeit gab es noch 24h am Tag Strom, was derzeit nicht der Fall ist, weil sogenannte „Aktivisten“ die Stromzuführung aus der Ukraine sabotiert haben.
Interessant der Sprachgebrauch in unseren Medien:
Hier wird und wurde von „Aktivisten“ gesprochen, tatsächlich war es ein ganz klarer Terrorakt, der den Keil zwischen den Menschen auf Krim und der Ukraine, spürbar, noch tiefer getrieben hat. (Ich schäme mich sehr für die Berichterstattung!)
Zeitweise gab es dadurch für die Menschen nur 2h Strom am Tag, eine Vormittag und eine am Nachmittag. Kaum vorstellbar, es würde uns in Deutschland passieren.

Sehr Auffällig im Mai waren die vielen Plakate, die auf den 9.Mai hinweisen. Der „Siegestag zum zweiten Weltkrieg“, ein Nationalfeiertag, wie kein anderer in Russland.
Das Plakat auf dem Foto hat mir am besten gefallen.

Ebenfalls sehr auffällig:

Polizeipatrolie am Hafen von Yalta

Die Präsenz der Polizei hat zugenommen. Immer öfter sind Patrolien zu sehen, in der Regel drei Polizisten, junge Kerle, die in touristischen Gebieten Präsenz zeigen.
Auch eine Reaktion, so wurde mir berichtet, auf die große Anzahl von Flüchtlingen aus der Ukraine.

Jetzt, knapp einem Jahr nach der Wiedervereinigung, spürt man, dass die Behörden normal arbeiten und durchgreifen.
Dies ist mir mehrfach in Restaurants aufgefallen. Zum Beispiel scheint es klare Regeln zum Alkoholausschank zu geben. So konnten wir nicht, wie früher, überall Bier trinken. Die Besitzer begründeten es mit fehlenden Lizenzen. Teilwiese gab es auch kein Bier, weil die Versorgung aus der Ukraine schwierig und die aus Russland ebenfalls nicht einfach ist.
Das Straßenbild hat sich verändert. Handel gibt es nun nur noch an speziell dafür vorgesehenen Orten. Der wilde Handel wurde offensichtlich gestoppt.

Dankbarkeit

Dankbarkeit

Wie dieses Foto, welches es an vielen Souvenierständen zu kaufen gibt, zeigt, gibt es in der Bevölkerung eine tiefe Dankbarkeit für die Forcierung der Wiedervereinigung mit Russland und der Verhinderung von Krieg mit der Ukraine.

Sushi

Sushi ein Trend in Yalta

Gab es im letzten Jahr Sushi hauptsächlich in speziellen Sushibars, so befindet sich Sushi nun auf der Speisekarte vieler Restaurants. Es sind zudem viele neue Sushibars eröffnet worden. EineEntwicklung die sehr auffällt. Zudem sehr schmackhaft.😉

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Sehr praktisch, Ampeln mit Zeitanzeige. Diese Ampeln gibt es oft auf der Fernverkehrsstrasse zwischen Yalta und Simferopol sowie Yalta und Sewastopol.

 

 

 

 

 

 

 

Frühlingsanfang im Botanischen Garten von Nikita

Der Eingang zum Botanischen Garten

Der Eingang zum Botanischen Garten

Ca. 7 Km von Yalta entfernt, Richtung Simferopol befindet sich Nikita, ein Dorf, welches zum Großraum Yalta gehört. Touristische Bedeutung hat dieses Dorf vor allem aufgrund des beeindruckenden Botanischen Gartens.
Gegründet wurde er auf Erlass Alexander I. von Christian von Steven. Noch heute dient er der Erforschung der Flora und Fauna des Klimas auf Krim.

Noch nicht in voller Blüte, aber dennoch beeindruckend, der Anfangsbereich des Gartens auf dem Hochplateau.

Noch nicht in voller Blüte, aber dennoch beeindruckend, der Anfangsbereich des Gartens auf dem Hochplateau.

Anders als viele andere Parks auf Krim, wurde dieser Garten auch zu ukrainischen Zeiten liebevoll und sorgfältig gepflegt. Das sieht und spürt man. Auch das Dorf Nikita fällt durch Sauberkeit auf.

Neu: eine Statue der "Flora" schaut von oben auf den Garten.

Neu: eine Statue der „Flora“ schaut von oben auf den Garten.

Im botanischen Garten gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Pflanzen zu sehen. Die Wegführung geht vom Hochplateau serpentinenartig den Hang hinunter über das Mittelplateau zum Tiefplateau.

Im Hochplateau befindet sich eine Art offenes Theater. Möglich auch, dass hier Vorträge gehalten werden und wurden.

Im Hochplateau befindet sich eine Art offenes Theater. Möglich auch, dass hier Vorträge gehalten werden und wurden.

In Mitten der Pflanzungen befinden sich Gebäude mit Instituten, einem Museum, eine Botanischen Bibliothek und ein großes Herbarium (Sammlung getrockneter Pflanzen)

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Die beste Besuchszeit soll Mitte Mai sein.
Ich kann jedoch ganz klar sagen, dass sich auch der März bestens für einen Besuch eignet, auch wenn noch keine Saison ist und die Imbissstände noch geschlossen sind.

Leider noch geschlossen, einer der vielen ansehnlichen Verpflegungsstellen.

Leider noch geschlossen, einer der vielen ansehnlichen Verpflegungsstellen.

Der Garten ist wie eine kleine Welt- und Zeitreise angelegt. Es gibt einen mehr als 1000 jährigen Pistazienbaum, einen Kaktusgarten, Palmen, Wasserpflanzen, viele Rosenarten. Insgesamt sollen bis zu 28.000 unterschiedliche Pflanzenarten zu sehen sein.

Ein Blick auf das Schwarze Meer. Aufgenommen auf dem Weg zum Mittelplateau.

Ein Blick auf das Schwarze Meer. Aufgenommen auf dem Weg zum Mittelplateau.

Impressionen vom Mittelplateau

Impressionen vom Mittelplateau

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAufgrund des Alters des Garten und der Ausgewachsenheit empfindet man das Zusammenspiel der Wege und der verschiedenen Pflanzen wie eine gut komponierte klassische Melodie. Fürst Pückler hätte seine große Freude gehabt))

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An den Einzelheiten, an Details kann man sich überall erfreuen. Es gibt wohl keinen anderen, vergleichbaren Ort auf der Welt, an dem so eine Artenvielfalt miteinander und gemeinsam existiert.

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Auf dem Weg zum Tiefplateau wird man in eine tropisch/subtropische Welt entführt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADreht man sich an der selben Stelle um, sieht man eine Wassertreppe mit Pflanzen und Fischen.

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Große Bambuspflanzen, ein Teich, der sich auf die Blüte im Frühsommer einstimmt und überall Bänke zum verweilen.

Das Pavillion versprüht asiatischen Charme.

Das Pavillion versprüht asiatischen Charme.

Ein Korkbaum. Ich habe so etwas zum ersten mal in meinem Leben gesehen.

Ein Korkbaum.
Ich habe so etwas zum ersten mal in meinem Leben gesehen.

Viele Pflanzen dort sind beeindruckend. So auch der Korkbaum. Im Hintergrund ein Bambuswald.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWie man sieht, fühlen sich hier nicht nur Mensch und Pflanzen wohl😉

Alles in allem war dieser Ausflug einer meiner schönsten, die ich bisher auf Yalta unternommen habe. Ich war beeindruckt und, was nicht zu verachten ist, der Botanische Garten hat in mir endgültig den Frühling erweckt.
Ich bin mir sicher, dass die ein oder andere Impression sich auch auf meinen eigenen Garten auswirken wird😉

März 2015- Frühlingsstart im Livadia-Park

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Der 70. Jahrestag der Befreiung von Nazideutschland steht bevor. Pünktlich zu diesem Ereignis hat Livadia, ein Teil von Yalta, eine neue Bronzestatue erhalten. Nahe des Schlosses in dem die Konferenz von Yalta stattgefunden hat.

Nach meiner letzten Reise im Januar zur Krim hat es mich nun wieder dorthin gezogen.

Besuchte ich im Januar zum Beispiel den Alupka-Park und bekam so das erste mal frühlingshafte Gefühle, so wollte ich mir den richtigen Start in den Frühling nicht entgehen lassen.

Der Frühling hat begonnen. Die Menschen genießen die ersten Blüten im Park von Levadia.

Der Frühling hat begonnen.
Die Menschen genießen die ersten Blüten im Park von Livadia.

Auf meiner diesmaligen Reise besuchte ich neben Yalta City auch Livadia (auch Livadja) und Gurzuf.

Direkt über Yalta sind bis zu ca. 1500m hohe Berge. Hier eine Perspektive aus dem Levadia-Park))

Direkt über Yalta sind bis zu ca. 1500m hohe Berge.
Hier eine Perspektive aus dem Levadia-Park))

Zwei Orte, die jedoch sehr unterschiedlich sind. Livadia, ein Dorf, welches zur Region Groß-Yalta gehört hat einen an sich wunderschönen Park und ebenso ein wunderschönes Schloß (siehe früheren Blogbetrag) zu bieten. Am Hang liegend kann man wandernd vom Schloss über schöne und ursprünglich liebevoll angelegte Wege bis hinunter zum Strand von Livadia spazieren. Ebenso kann man den zum Park gehörenden Pfad nach Koreiz wandern. Der Weg führt von einer schönen Aussicht zur anderen.

Aussichten auf dem Wanderweg von Levdia nach Koreiz. Teil 1

Aussichten auf dem Wanderweg von Livdia nach Koreiz. Teil 1

Aussichten auf das Schwarze Meer, auf Felsen und Berge. Dieser Pfad mutet sich wie eine Gebirgswanderung an. Es geht ständig auf und ab.

Ein Blick auf Yalta (Jalta)  vom Pfad nach Koreiz.

Ein Blick auf Yalta (Jalta) vom Pfad nach Koreiz.

Getrübt wird der Eindruck jedoch traurigerweise durch unverzeihliches menschliches Handeln in der Vergangenheit. Grundstücke entlang des Weges, sozusagen in bester Lage, wurden privatisiert, gerodet und zu Bauland. Die Architektur der Gebäude passt leider überhaupt nicht ins Gesamtbild. Auch haben Baumaßnahmen Erosionen verursacht, die für immer negativ auf die Parkästhetik wirken werden.

Es mag ein Glück, oder ein Zufall der Geschichte sein, dass Russland nach der Wiedervereinigung mit der Krim, diese Region offensichtlich zu einem Vorzeigeobjekt, einem Prestigeobjekt, gemacht hat. Entsprechend wurden neue Rodungen gestoppt, private, noch unbebaute Grundstücke wieder in den Park eingefügt.

Ein, bis vor Kurzem, mit einer Mauer geschütztes Bauland (Privateigentum). Hier sollte ein erheblicher Teil des Waldes gerodet und ein Gebäudekomplex errichtet werden. Zum Glück für den Levadia Park wurde dieses Vorhaben gestoppt und mit dem Rückbau der Mauer begonnen.

Ein, bis vor Kurzem, mit einer Mauer geschütztes Bauland (Privateigentum).
Hier sollte ein erheblicher Teil des Waldes gerodet und ein Gebäudekomplex errichtet werden. Zum Glück für den Levadia Park wurde dieses Vorhaben gestoppt und mit dem Rückbau der Mauer begonnen.

Die Sünden der Vergangenheit können so nicht wettgemacht werden, aber zumindest kann das noch Vorhandene erhalten und wieder zum Glanz früherer Zeiten geführt werden.

Die letzte Teil des Pfades von Levadia nach Koreiz ist gut ausgebaut und dem Park würdig. Wie ebenfalls zu sehen ist  haben wir an einem Tag verschiedene Wetter genießen dürfen))

Die letzte Teil des Pfades von Livadia nach Koreiz ist gut ausgebaut und dem Park würdig.
Wie ebenfalls zu sehen ist haben wir an einem Tag verschiedene Wetter genießen dürfen))

Die letzten zwei sehr gut ausgebauten und gepflegten Kilometer des Weges genießend kommt man in Koreiz an.

Einer von vielen Bäumen mit beachtlicher Form)))

Einer von vielen Bäumen mit beachtlicher Form)))

Ich hatte schon kurz über Koreiz berichtet. Nun aber sehe ich das Örtchen aus einer anderen Perspektive.

Der Ortseingang von Koreiz

Der Ortseingang von Koreiz

Wir sind bis ins Ortssinne gelaufen, weil wir das uns bekannte und bei einheimischen beliebte Restaurant besuchen wollten.

Ein nicht untypisches Haus in Koreiz. Es ist schon erstaunlich, wie facettenreich die Region um Yalta ist.

Ein nicht untypisches Haus in Koreiz. Es ist schon erstaunlich, wie facettenreich die Region um Yalta ist.

Wir kamen an und wurden in ein 40m entferntes Restaurant des selben Besitzers verwiesen. Der Grund: Stromausfall.

Die Umversetzung war keine schlechte Wahl. Meine Begleitung aß besser als im ursprünglichem Restaurant. Ich kann das zwar nicht beurteilen, mein Julia-Kebab war aber sehr lecker)))

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Das Ausweichrestaurant. Typisch tatarisch aber auch etwas gewöhnungsbedürftig. Es hat aber gut geschmeckt und auch die sanitäre Einrichtung war sauber.

Das Restaurant jedenfalls sah typisch tatarisch aus. Das gilt übrigens für das ganze Städtchen. Auf der Straße und auf dem Markt waren überwiegend tatarisch aussehende Menschen zu sehen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass mein Ausflug freitags zur Arbeits- und Schulzeit stattfand.

Der zweite Weg, vom Schloss zum Strand von Livadia, ist wesentlich kürzer und befindet sich teilweise in Überarbeitung. Auch hier wird versucht den alten Charme und die Schönheit des Parkes wieder herzustellen.

Impressionen des Weges vom Schloss zum Starnd von Levadia- Teil 1

Impressionen des Weges vom Schloss zum Starnd von Livadia- Teil 1

Es geht viele Treppen hinunter, vorbei an einem Pavillion, an Markierungen, Bänken, an tollen Aussichten, durch eine wunderschöne Natur, die nur noch etwas mehr Pflege bedarf.

Impressionen Teil 2 Wie zu sehen ist, verschmelzen Artefakte und Natur miteinander))

Impressionen Teil 2
Wie zu sehen ist, verschmelzen Artefakte und Natur miteinander))

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Impressionen Teil 3

Der Frühling hat seine Vorboten gesendet. Eine Vielzahl an Bäumen, Sträuchern und Bodengewächsen erwachen, oder waren den ganzen Winter über Grün.

Angekommen am Strand von Livadia, den ich natürlich schon von meinen Besuchen im Sommer 2014 kenne, holt diesen Fleck Erde die jüngere Geschichte ein.

Offensichtlich hat der Strand keine Besitzer, zumindest jedoch niemanden der sich für die Pflege verantwortlich fühlt.

Hier ein noch sehr mildes Beispiel für die Vernachlässigung des Strandes

Hier ein noch sehr mildes Beispiel für die Vernachlässigung des Strandes

Hier muss dringend etwas getan werden. Ich hoffe sehr dass die neue Verwaltung hierfür ein Auge haben wird.

Genauso wie für den ca. 3km langen Fußweg von Livadia nach Yalta.

Dieser Weg, für Touristen gemacht, und aufgrund mangelnder Verantwortungszuordnung vernachlässigt, ist schlichtweg ein Gesundheitsrisiko.

Es wundert mich, dass er nicht gesperrt wurde.

In Yalta angekommen gibt es wieder Lichtblicke und Hoffnung.

Yalta ist eine riesige Baustelle. Strandabschnitte, Straßen, Wege, Häuser….. Es wird viel gebaut. Yalta putzt sich für den Sommer heraus.

Mein erster Eindruck: Nicht nur am Hafen, überall in Yalta (Jalta) wird gebaut. Die Region putzt sich für die Saison heraus))

Mein erster Eindruck:
Nicht nur am Hafen, überall in Yalta (Jalta) wird gebaut. Die Region putzt sich für die Saison heraus))

Verglichen mit meinem letzten Besuch im Januar geht es sehr spürbar voran.

Schwere Explosion im Schwarzen Meer….. Ich suche nach Aufklärung!

Schwarzes Meer August 2014

Schwarzes Meer August 2014

Wie ich erfahren habe gab es um den 12. Februar 2015 eine sehr schwere Detonation oder Erschütterung im Schwarzen Meer. Ich konnte bisher leider keine näheren Informationen dazu finden. Was ich weiß ist folgendes:

Die Erschütterung fand um den 12. Februar statt ( Ich war nicht vor Ort und habe erst später davon erfahren, daher kann ich den Zeitpunkt nicht besser eingrenzen). Sie war in ganz Yalta zu spüren und hat die Menschen dort sehr beunruhigt.
Die Interpretationen reichen von einer Ankündigung eines Erdbebens bis hin zu einer militärischen Ursache.

Gibt es Leser dieses Blogs, die hierzu Informationen haben, die mir weiterhelfen?

I heard, that around the 12. February 2015 in Black Sea was a big explosion. I can`t find more informations about it.
Is here any body who have more informations about it? I am looking for the reason of this explosion. I want to know what`s happened!

zur politischen Situation… Januar 2015

Viele Menschen sind am Hafen von Yalta unterwegs und genießen das frühlingshafte Wetter.

Viele Menschen sind am Hafen von Yalta unterwegs und genießen das frühlingshafte Wetter.

Auch diesmal bin ich mit einem schweren Rucksack voller schlechtem Gewissen ob unserer Außenpolitik gegenüber Russland auf die Halbinsel Krim gereist. Ich wusste, dass  die Sanktionen und die Ölpolitik der Bevölkerung dort zusetzen und Russland zunehmend wirtschaftlich schaden. Auch war mir klar, dass die eindeutige Parteinahme unserer Regierung, zu Gunsten der ukrainischen Regierung im Bürgerkrieg in der Ostukraine, die russische Seele verletzt.

Umso überraschter waren meine Eindrücke vor Ort.

Das Leben in und um Yalta (Jalta) ist völlig normal. Russen, Ukrainer und Tataren, so mein Eindruck, leben wie gewohnt miteinander und nebeinander.

Es herrscht die allgemeine Meinung, dass der Konflikt in der Ukraine von außen hereingetragen wurde. Russenhass von Ukrainern und Hass auf Ukrainer von Russen habe ich in keiner Sekunde zu spüren bekommen.

Viele Ukrainer und Russen dort kennen sich ein Leben lang, sind teilweise familiär miteinander vermischt, lassen sich nicht gegeneinander aufhetzen.

Ebenfalls ist es interessant, wenn man auf die politischen Entwicklungen in Deutschland schaut, dass das Leben dort ein Musterbeispiel an Toleranz und Akzeptanz verschiedener Religionen ist.

Eine kleine Kirche in Yalta.

Eine kleine Kirche in Yalta.

Russisch orthodoxe und katholische Kirchen gehören zum Stadtbild. Ebenfalls gibt es einige Moscheen für Muslime. Kein Wunder, denn hier leben seid vielen Jahrhunderten viele Religionen friedlich neben- und miteinander.

eine russisch orthodoxe Kirche in Yalta

eine russisch orthodoxe Kirche in Yalta

Das Zusammenleben und die gegenseitige Akzeptanz der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zeigt sich in vielen Nuancen. So war ich zum Beispiel in „Koreis“ , einer Stadt ca. 30 km entfernt von Yalta (Jalta), in einem unscheinbaren aber sehr beliebtem tatarischen Restaurant. Die Speisekarte beinhaltete natürlich typische und sehr schmackhafte tatarische Speizialitäten, wie Plow, ein Reisgericht, Julia Kebab, ähnlich Cevapcici und Chebureki, eine Teigtasche gefüllt z.B. mit Fleisch oder Käse. Es gibt aber auch Bortsch und Solianka.

Unscheinbar, aber sehr gut und beliebt,  ein tatarisches Restaurant in Koreis.

Unscheinbar, aber sehr gut und beliebt, ein tatarisches Restaurant in Koreis.

Die Gäste, meist Russen und Ukrainer lieben dieses Restaurant. Ein echter Geheimtipp!

Auch fiel mir auf, dass in Restaurants meist ukrainische Fernsehsender liefen. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass das ukrainische Fernsehprogramm moderner sei als dass Russische. Die Aussage bezog sich aber nur auf die Krim, nicht auf Moskau oder St. Petersburg.

In einer weiteren Diskussion wurde mir klar, das auch die russischen Medien ihre Arbeit verstehen. Ähnlich, wie bei uns, wo die Medien versuchen die Bevölkerung auf Kurs der Regierung zu halten, ist es in Russland. So waren natürlich die  PEGIDA -Demonstrationen ein großes mediales Thema. Die Folge daraus, es gibt nicht wenige Menschen dort, die glauben, dass Angela Merkel in Deutschland heftigen Gegenwind zu spüren bekommt. Leider musste ich diese Einstellung korrigieren und klar stellen, dass Frau Merkel innenpolitisch ziemlich fest im Sattel sitzt und ihre Außenpolitik mit viel zu viel Gleichgültigkeit hingenommen wird.

Was mir ebenfalls sehr zu Denken gegeben hat ist ein weiterer Fakt. Sehr viele Ukrainer, vornehmlich aus dem Osten der Ukraine fliehen auf Krim, wohl wissend dass die Halbinsel Krim nun russisch ist. In meinen Augen ein Indiz, nein mehr noch, ein Beweis dafür, das der Krieg dort nicht der Krieg der Bevölkerung ist. Der Krieg ist untypisch, kein normaler Krieg. Es gibt keine Front von Russen gegen Ukrainer und Ukrainer gegen Russen. Die Menschen wollen diesen Krieg nicht, sie sehen keinen Sinn in dieser Konstellation. Der Krieg basiert eindeutig auf Gründen die nicht von der Bevölkerung getragen werden. Ich würde mir wünschen, dass unsere Politiker mal einen  Ausflug in diese Region machen, mit den Menschen dort reden, zur Kenntnis nehmen, dass viele ukrainische Flüchtlinge dort sind, weil sie nicht in die ukrainische Armee eingezogen werden möchten, dass die Ukrainer, zumindest die Ostukrainer, ein Problem damit haben ein Feindbild gegen die pro-russischen Separatisten aufzubauen. Die Menschen dort sind sich nicht Feind und wollen keinen Krieg!

Liebe Leser, bitte denkt darüber nach, und wenn Ihr es nicht glauben wollt, beantragt ein russisches Visum und überzeugt Euch vor Ort davon, dass hier etwas schäbiges, verwerfliches und ethisch nicht vertretbares passiert! Die Sanktionen sind ein Farce (Ich wiederhole mich). Wenn Völkerrecht für Völker gemacht wurde, dann ist die Argumentation der EU, der USA und unserer Regierung, im Falle der Krim, mehr als scheinheilig!

Am Gipfel des Ai Petri, einem Berg nahe Yalta (Jalta) erkennbar tatarisch geprägt.

Am Gipfel des Ai Petri, einem Berg nahe Yalta (Jalta) erkennbar tatarisch (muslimisch) geprägt.

Das Leben in und um Jalta (Yalta) …Teil 3, … Januar 2015

Nachts am Hafen von Yalta. Januar 2015

Nachts am Hafen von Yalta.
Januar 2015

Mitte Januar 2015 hat es mich wieder nach Yalta gezogen.
Diesmal habe ich mir vorgenommen mehr auf das Leben, die Veränderungen seit meinem letzten Aufenthalt im Oktober 2014 und auf die Stimmung der Menschen zu achten. Ein Notizblock und mein Fotoapparat waren mein ständiger Begleiter.

Während meines Besuches, dieser so magisch anziehenden Region, habe ich Eindrücke in Yalta, Alupka und Koreis gesammelt. Alupka und Koreis sind Städte, die zu Groß-Yalta gehören. Groß-Yalta ist vergleichbar mit einem Landkreis in Deutschland und zieht sich in etwa von Foros (Richtung Sewastopol) bis Gurzuf (Richtung Simferopol).

Morgens in einer kleinen Kaffeebar.

Morgens in einer kleinen Kaffeebar. „Kaffischka“ ist eine sehr beliebte Kette und durchweg sehr gut besucht.

Als erstes erkundigte ich mich nach signifikanten Veränderungen im alltäglichen Leben.

Zwischen meinem letzten Aufenthalt und Diesem sind zwar nur drei Monate vergangen, aber für die Russen war es politisch und wirtschaftlich eine turbulente Zeit.
So fragte ich nach den Auswirkungen der Rubelkrise und erfuhr, dass die bisherigen Auswirkungen zwar spürbar, aber noch erträglich waren.

Die Preise für Miete, Strom und Wasser haben sich nicht verändert. Anders sieht es bei den Lebensmittelpreisen aus. Hier haben saisonale Faktoren (Winter) und Rubelkrise dafür gesorgt, das z.B. sich der Preis für frische Eier auf dem Markt verdoppelt hat. Frisches Fleisch hat sich um ca. 30% verteuert.

Es gab aber auch neue Gesetze die das Leben veränderten.
So gibt es nun ein Gesetz, das den vielen Mini-Märkten auf Krim untersagt nach 23 Uhr Alkohol zu verkaufen.

Ein typischer Minimarkt in Yalta. Nachts, nach 23 Uhr. Noch im Oktober 2014 ein gut besuchter Treffpunkt für Menschen, welche preiswert dem alkoholischen Genuß fröhnten.

Ein typischer Minimarkt in Yalta. Nachts, nach 23 Uhr.
Noch im Oktober 2014 ein gut besuchter Treffpunkt für Menschen, welche preiswert dem alkoholischen Genuß fröhnten.

Ebenfalls wurden viele der üblichen Wechselstuben verboten. Geld darf nur noch in Banken oder in, zu offiziellen Banken gehörenden Wechselstuben, umgetauscht werden.
Das Gesetz greift nicht ganz. Die Besitzer der Wechselstuben haben sich angepasst und agieren nun diskret. Zum Glück, denn am Wochenende haben die meisten Banken geschlossen)))

Ein Plakat einer Kampagne die versucht Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol zu schützen. (Yalta, Januar 2015)

Ein Plakat einer Kampagne die versucht Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol zu schützen. (Yalta, Januar 2015)

Sehr auffällig waren auch die vielen Plakate in der Stadt, die zu einer Werbekampagne gehören, welche Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol schützen soll.

Der Umgang mit Drogen und Genussmittel in Russland ist wesentlich kritischer als in Deutschland. Wie ich in einem früheren Beitrag geschrieben habe, sind zum Beispiel der öffentliche Genuss von Alkohol sowie das Rauchen am Strand unerwünscht.
In Änderung zum Oktober 2014 wurde auch der Verkauf von Zigaretten erschwert. Gab es damals noch Zigarettenläden, die als solche erkennbar waren, so muss man nun fast schon Insider sein um entsprechende Läden zu finden. Die Auslage von Zigaretten ist untersagt.

Eine weitere Frage hat mich interessiert.

In deutschen Medien las ich, dass die Rente in Russland ungefähr dreimal so hoch ist, wie in der Ukraine. So fragte ich eine Rentnerin ob auch sie nun in den Genuss einer solchen Rentenerhöhung gekommen ist. Die Antwort war eindeutig. Ja, die Rente ist spürbar gestiegen, sie hat sich ungefähr verdoppelt. Die Augen haben geleuchtet, das hat mir gereicht )))

Auch erfuhr ich, dass die Einkommen auf Krim sich mehr als verdreifacht haben. Diese Information habe ich von einer Lehrerin.
Das Gesundheitswesen hat sich drastisch verbessert. Ähnlich wie bei uns ist es nun möglich ohne Zusatzkosten einen Arzt aufzusuchen und es gibt wesentlich mehr Ärzte als zuvor. Noch vor einem Jahr haben die Menschen dort, wenn möglich, einen Arztbesuch vermieden, weil sie es sich nicht leisten konnten.
Auch gibt es nun freie Medikamente für Kassenpatienten.

Eine Ukrainerin, welche zu Besuch auf Krim war, berichtete von enormen Preissteigerungen in der Ukraine. Anders als auf der Halbinsel Krim, welche nun zu Russland gehört, sind dort aber die Löhne nicht gestiegen. Somit kann man festhalten, dass die Menschen auf Krim eine spürbare Erhöhung des Lebensstandards erleben, trotz Rubelkrise und Sanktionen.

Eine Rückkehr der Krim zur Ukraine, wie von unseren Politikern gefordert, ist eine realitätsferne Träumerei. Die damit verbundenen Sanktionen sind eine Farce!

Das Leben und die Menschen auf Krim…. Fortsetzung

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Ich muss zugeben, vor meiner ersten Reise nach Yalta hatte ich gemischte Gefühle, als ich darüber nachdachte, dass ich als Deutscher nach Russland in eine Region reise, die erneut unter deutscher Politik leidet. Ich hatte schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen die dort leben und hätte mögliche Kritik gegenüber mir, meiner Herkunft und dem Tun unserer Politik sehr gut verstanden. Mehr noch, ich bin mit der Bereitschaft und dem Vorsatz dorthin gereist, mich für unsere Politik zu entschuldigen und den Menschen zu erklären, dass es in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die mit unserer Außenpolitik nicht einverstanden sind.

Doch es kam ganz anders!

Schon auf dem Flughafen in Moskau, bei den dortigen Kontrollen, spürte ich eine erweiterte Freundlichkeit, wenn realisiert wurde, dass ich mit einem Touristenvisum nach Simferopol fliege. Mir wurde ein angenehmer Aufenthalt gewünscht.

Ähnlich verhielt es sich in Simferopol, bei der Ankunft und beim Abflug.
Auch in Yalta wurde ich durchweg sehr freundlich und herzlich behandelt. Meine ganzen Sorgen, die ich mir im Vornherein machte, waren unbegründet. Vor allem in Yalta haben sich die Menschen, die bemerkt haben, dass in dieser politischen Situation ein Deutscher hier Urlaub macht, sehr darüber gefreut. Mehr noch, einige waren sehr Stolz auf mich als Touristen!

Meine Anwesenheit hat Einige herausgefordert und dazu veranlasst mich in Gespräche über die Schönheit Russlands, die nun endlich wieder hergestellte Zugehörigkeit der Krim zu Russland, aber auch über Deutschland, den Zweiten Weltkrieg, deutsche Gründlichkeit und……….. die besten Autos der Welt, die aus Deutschland kommen))) zu verwickeln.

An einigen Tagen hätte ich von morgens bis abends „Trinkpartner“ gehabt, ohne dafür zahlen zu müssen. Das habe ich natürlich nicht angenommen))). Ich wollte wenigstens tagsüber bei vollem Bewusstsein bleiben.

Nach diesen ersten Erfahrungen beschloss ich etwas diskreter, unauffälliger aufzutreten.

Ein Erlebnis jedoch wird mir für immer in Erinnerung bleiben:

Massandra Beach in Yalta

Massandra Beach in Yalta

Ich war am Nachmittag bei bestem Wetter am Massandra Beach baden und bin für eine Zigarette (Rauchen am Strand ist verboten!) die Treppen hinauf an einen Raucherplatz gegangen. (Siehe Foto)
Hier kam ein Tourist aus Nizhny Novgorod hinzu und fragte mich nach Feuer. Diese Frage habe ich noch verstanden und entsprechend ausgeholfen. Dann begann er mit mir zu Reden. Ich verstand fast nichts und gab ihm zu verstehen, dass ich besser Deutsch oder Englisch spreche. Er begann zu strahlen, freute sich so sehr über mich, dass er mich umarmte, seinen Mitreisenden zurief, dass hier ein Tourist aus Deutschland ist. Er packte ein paar deutsche Wörter aus und freute sich so sehr, dass auch ich mich zu Freuen begann))
Viele Umarmungen und Handschläge folgten.

Dann jedoch, kurz bevor er den Strand verließ kam er zu mir und gab mir eine Tüte mit einem Gebäck, welches ähnlich unseren Salzbrezeln war, welche wir aus den Party-Knabbermixen kennen. Er bat mich es zu essen und sagte, dass ich, wenn ich es esse,  seiner Mutter helfe.
Meine Begleitung erklärte mir, dass es ein Brauch ist, wenn Menschen in Trauer sind. Auf diese Weise wird versucht, den Verstorbenen Glück im Jenseits zu bringen.
Das Gebäck hat nicht wirklich meinem Geschmack entsprochen, aber aus Respekt vor der Geste des Touristen habe ich es gegessen und war gerührt!

….

Mein erster echter Schaschlik))

Ein Bild von meinem zweitem Schaschlik, unser Mahl während einer Wanderung in den Bergen oberhalb von Yalta (Jalta).

Ein Bild von meinem zweitem Schaschlik, unser Mahl während einer Wanderung in den Bergen oberhalb von Yalta (Jalta).

Am Abend meines ersten Ausfluges nach Balaklawa wurde ich von neu gefundenen Freunden zu einem Grillabend eingeladen. Wir wollten Fisch grillen und es uns mit Bier und Wein mal richtig gut gehen lassen.

Mit einem gemieteten Boot in Balaklawa haben wir das Wetter und das Wasser genossen. Es war bisher das schönste Badeerlebnis was ich hatte!

Mit einem gemieteten Boot in Balaklawa haben wir das Wetter und das Wasser genossen. Es war bisher das schönste Badeerlebnis was ich hatte!

Wir besorgten uns den Fisch auf dem Rückweg von Balaklawa nach Yalta. Ich war der Fahrer, weil ich mich während der Bootstour mit dem Genuss alkoholischer Getränke zurückgehalten habe und somit der einzig fahrtaugliche in  der Runde war))

Fisch, Krabben, Gemüse und viele andere Lebensmittel kann man auf Krim sehr gut und günstig auf Parkplätzen kaufen. Viele Bauern und Fischer bieten hier ihre Waren feil. Wir kauften Fisch und in einem „Tante Emma-Laden“, nahe des Grundstückes meines Gastgebers, kauften wir Bier und hervorragenden Wein der dort sehr beliebten Marke „Inkermann“!

Das Haus und ein kleiner Teil des Grundstückes des Gastgebers der Grillparty.

Das Haus und ein kleiner Teil des Grundstückes des Gastgebers der Grillparty.

Der Gastgeber und seine Frau waren sehr liebevolle Menschen. Er sprach sehr gut Englisch, was die Kommunikation für mich sehr vereinfachte. Er war Ingenieur, leider ohne Arbeit und seine Frau Lehrerin an einer Grundschule in Jalta (Yalta).

Wir bereiteten das Feuer vor und unterhielten uns über Deutschland, Jalta (Yalta) und eben über Schaschlik. Für mich war bis zu diesem Tag Schaschlik das, was ich aus Ungarn und von zu Hause kannte. Kleine Spieße mit Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Paprika, Zwiebel und Leber.

Meine neuen Freunde hielten das für einen Witz, versuchten mir klar zu machen, dass das kein Schaschlik ist. Nach deren Meinung ist ein Schaschlik ein großer Spieß mit viel mariniertem Fleisch und Zwiebel.

Während der Diskussion kam auf einmal sehr laute, volkstümliche, ukrainische Musik vom Nachbargrundstück. Die Musik war so laut, dass ich dachte, dort ist ein Tanz.

Zwanzig Minuten später kam der Nachbar ans Tor und übergab meinem Gastgeber einen Schaschlik Spieß. Dieser war für mich gedacht. Der Nachbar hat das Gespräch über Schaschlik mitgehört und wollte mir unbedingt einen typischen und vor allem sehr schmackhaften ukrainischen Schaschlik servieren. Es gelang ihm. Ich war sowieso sehr hungrig und gleichfalls sehr angetan von der Geste des Nachbars. Ich aß den Schaschlik und war überwältigt. Das Fleisch war der Hammer, der Geschmack sensationell. Die Kombination des Fleisches mit der Zwiebel einzigartig. Ich war so begeistert, dass ich auch die Kinder auf der „Party“ am Geschmackserlebnis teilhaben lies))

Später fragte ich nach, was auf dem Spieß war. Es war das Herz eines Bullen, mariniert in einer Marinade aus Gewürzen u.a. Ingwer. Geschmacklich eine würdige Referenz!

Der Rest des Abends war wie eine typische Grillparty. Wir tranken, lachten, sinnierten und irgendwann bekamen auch andere Nachbarn mit, dass ein „Deutscher“ in der Siedlung ist. So wurde es wie befürchtet– )))

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Impressionen zur vorgeschrittenen Stunde)))

Wie ich später erfahren habe möchte der Nachbar, ein wohlhabender Ukrainer, der sein Geld mit Tischlerarbeiten oder als Möbelhersteller verdient ( so genau habe ich es nicht verstanden) und ein sehr ansehnliches schmuckes Haus besitzt, wieder zurück nach Kiew ziehen. Er scheint  einer der Verlierer der neuen politischen Situation zu sein und scheint sein Geld hauptsächlich in der Ukraine verdient zu haben.

Dennoch, er war und ist Bestandteil der Familie in dieser Wohnsiedlung. Die Menschen hier sind viel weniger politisch, als uns weis gemacht wird. Jeder versucht sein Leben zu leben und Differenzen aufgrund der Herkunft konnte ich nicht ausmachen!