Das Leben in und um Jalta (Yalta) …Teil 3, … Januar 2015

Nachts am Hafen von Yalta. Januar 2015

Nachts am Hafen von Yalta.
Januar 2015

Mitte Januar 2015 hat es mich wieder nach Yalta gezogen.
Diesmal habe ich mir vorgenommen mehr auf das Leben, die Veränderungen seit meinem letzten Aufenthalt im Oktober 2014 und auf die Stimmung der Menschen zu achten. Ein Notizblock und mein Fotoapparat waren mein ständiger Begleiter.

Während meines Besuches, dieser so magisch anziehenden Region, habe ich Eindrücke in Yalta, Alupka und Koreis gesammelt. Alupka und Koreis sind Städte, die zu Groß-Yalta gehören. Groß-Yalta ist vergleichbar mit einem Landkreis in Deutschland und zieht sich in etwa von Foros (Richtung Sewastopol) bis Gurzuf (Richtung Simferopol).

Morgens in einer kleinen Kaffeebar.

Morgens in einer kleinen Kaffeebar. „Kaffischka“ ist eine sehr beliebte Kette und durchweg sehr gut besucht.

Als erstes erkundigte ich mich nach signifikanten Veränderungen im alltäglichen Leben.

Zwischen meinem letzten Aufenthalt und Diesem sind zwar nur drei Monate vergangen, aber für die Russen war es politisch und wirtschaftlich eine turbulente Zeit.
So fragte ich nach den Auswirkungen der Rubelkrise und erfuhr, dass die bisherigen Auswirkungen zwar spürbar, aber noch erträglich waren.

Die Preise für Miete, Strom und Wasser haben sich nicht verändert. Anders sieht es bei den Lebensmittelpreisen aus. Hier haben saisonale Faktoren (Winter) und Rubelkrise dafür gesorgt, das z.B. sich der Preis für frische Eier auf dem Markt verdoppelt hat. Frisches Fleisch hat sich um ca. 30% verteuert.

Es gab aber auch neue Gesetze die das Leben veränderten.
So gibt es nun ein Gesetz, das den vielen Mini-Märkten auf Krim untersagt nach 23 Uhr Alkohol zu verkaufen.

Ein typischer Minimarkt in Yalta. Nachts, nach 23 Uhr. Noch im Oktober 2014 ein gut besuchter Treffpunkt für Menschen, welche preiswert dem alkoholischen Genuß fröhnten.

Ein typischer Minimarkt in Yalta. Nachts, nach 23 Uhr.
Noch im Oktober 2014 ein gut besuchter Treffpunkt für Menschen, welche preiswert dem alkoholischen Genuß fröhnten.

Ebenfalls wurden viele der üblichen Wechselstuben verboten. Geld darf nur noch in Banken oder in, zu offiziellen Banken gehörenden Wechselstuben, umgetauscht werden.
Das Gesetz greift nicht ganz. Die Besitzer der Wechselstuben haben sich angepasst und agieren nun diskret. Zum Glück, denn am Wochenende haben die meisten Banken geschlossen)))

Ein Plakat einer Kampagne die versucht Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol zu schützen. (Yalta, Januar 2015)

Ein Plakat einer Kampagne die versucht Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol zu schützen. (Yalta, Januar 2015)

Sehr auffällig waren auch die vielen Plakate in der Stadt, die zu einer Werbekampagne gehören, welche Kinder vor dem Kontakt mit Alkohol schützen soll.

Der Umgang mit Drogen und Genussmittel in Russland ist wesentlich kritischer als in Deutschland. Wie ich in einem früheren Beitrag geschrieben habe, sind zum Beispiel der öffentliche Genuss von Alkohol sowie das Rauchen am Strand unerwünscht.
In Änderung zum Oktober 2014 wurde auch der Verkauf von Zigaretten erschwert. Gab es damals noch Zigarettenläden, die als solche erkennbar waren, so muss man nun fast schon Insider sein um entsprechende Läden zu finden. Die Auslage von Zigaretten ist untersagt.

Eine weitere Frage hat mich interessiert.

In deutschen Medien las ich, dass die Rente in Russland ungefähr dreimal so hoch ist, wie in der Ukraine. So fragte ich eine Rentnerin ob auch sie nun in den Genuss einer solchen Rentenerhöhung gekommen ist. Die Antwort war eindeutig. Ja, die Rente ist spürbar gestiegen, sie hat sich ungefähr verdoppelt. Die Augen haben geleuchtet, das hat mir gereicht )))

Auch erfuhr ich, dass die Einkommen auf Krim sich mehr als verdreifacht haben. Diese Information habe ich von einer Lehrerin.
Das Gesundheitswesen hat sich drastisch verbessert. Ähnlich wie bei uns ist es nun möglich ohne Zusatzkosten einen Arzt aufzusuchen und es gibt wesentlich mehr Ärzte als zuvor. Noch vor einem Jahr haben die Menschen dort, wenn möglich, einen Arztbesuch vermieden, weil sie es sich nicht leisten konnten.
Auch gibt es nun freie Medikamente für Kassenpatienten.

Eine Ukrainerin, welche zu Besuch auf Krim war, berichtete von enormen Preissteigerungen in der Ukraine. Anders als auf der Halbinsel Krim, welche nun zu Russland gehört, sind dort aber die Löhne nicht gestiegen. Somit kann man festhalten, dass die Menschen auf Krim eine spürbare Erhöhung des Lebensstandards erleben, trotz Rubelkrise und Sanktionen.

Eine Rückkehr der Krim zur Ukraine, wie von unseren Politikern gefordert, ist eine realitätsferne Träumerei. Die damit verbundenen Sanktionen sind eine Farce!

Das Leben und die Menschen auf Krim…. Fortsetzung

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Ich muss zugeben, vor meiner ersten Reise nach Yalta hatte ich gemischte Gefühle, als ich darüber nachdachte, dass ich als Deutscher nach Russland in eine Region reise, die erneut unter deutscher Politik leidet. Ich hatte schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen die dort leben und hätte mögliche Kritik gegenüber mir, meiner Herkunft und dem Tun unserer Politik sehr gut verstanden. Mehr noch, ich bin mit der Bereitschaft und dem Vorsatz dorthin gereist, mich für unsere Politik zu entschuldigen und den Menschen zu erklären, dass es in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die mit unserer Außenpolitik nicht einverstanden sind.

Doch es kam ganz anders!

Schon auf dem Flughafen in Moskau, bei den dortigen Kontrollen, spürte ich eine erweiterte Freundlichkeit, wenn realisiert wurde, dass ich mit einem Touristenvisum nach Simferopol fliege. Mir wurde ein angenehmer Aufenthalt gewünscht.

Ähnlich verhielt es sich in Simferopol, bei der Ankunft und beim Abflug.
Auch in Yalta wurde ich durchweg sehr freundlich und herzlich behandelt. Meine ganzen Sorgen, die ich mir im Vornherein machte, waren unbegründet. Vor allem in Yalta haben sich die Menschen, die bemerkt haben, dass in dieser politischen Situation ein Deutscher hier Urlaub macht, sehr darüber gefreut. Mehr noch, einige waren sehr Stolz auf mich als Touristen!

Meine Anwesenheit hat Einige herausgefordert und dazu veranlasst mich in Gespräche über die Schönheit Russlands, die nun endlich wieder hergestellte Zugehörigkeit der Krim zu Russland, aber auch über Deutschland, den Zweiten Weltkrieg, deutsche Gründlichkeit und……….. die besten Autos der Welt, die aus Deutschland kommen))) zu verwickeln.

An einigen Tagen hätte ich von morgens bis abends „Trinkpartner“ gehabt, ohne dafür zahlen zu müssen. Das habe ich natürlich nicht angenommen))). Ich wollte wenigstens tagsüber bei vollem Bewusstsein bleiben.

Nach diesen ersten Erfahrungen beschloss ich etwas diskreter, unauffälliger aufzutreten.

Ein Erlebnis jedoch wird mir für immer in Erinnerung bleiben:

Massandra Beach in Yalta

Massandra Beach in Yalta

Ich war am Nachmittag bei bestem Wetter am Massandra Beach baden und bin für eine Zigarette (Rauchen am Strand ist verboten!) die Treppen hinauf an einen Raucherplatz gegangen. (Siehe Foto)
Hier kam ein Tourist aus Nizhny Novgorod hinzu und fragte mich nach Feuer. Diese Frage habe ich noch verstanden und entsprechend ausgeholfen. Dann begann er mit mir zu Reden. Ich verstand fast nichts und gab ihm zu verstehen, dass ich besser Deutsch oder Englisch spreche. Er begann zu strahlen, freute sich so sehr über mich, dass er mich umarmte, seinen Mitreisenden zurief, dass hier ein Tourist aus Deutschland ist. Er packte ein paar deutsche Wörter aus und freute sich so sehr, dass auch ich mich zu Freuen begann))
Viele Umarmungen und Handschläge folgten.

Dann jedoch, kurz bevor er den Strand verließ kam er zu mir und gab mir eine Tüte mit einem Gebäck, welches ähnlich unseren Salzbrezeln war, welche wir aus den Party-Knabbermixen kennen. Er bat mich es zu essen und sagte, dass ich, wenn ich es esse,  seiner Mutter helfe.
Meine Begleitung erklärte mir, dass es ein Brauch ist, wenn Menschen in Trauer sind. Auf diese Weise wird versucht, den Verstorbenen Glück im Jenseits zu bringen.
Das Gebäck hat nicht wirklich meinem Geschmack entsprochen, aber aus Respekt vor der Geste des Touristen habe ich es gegessen und war gerührt!

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