Erste Eindrücke der politischen Lage (August 2014)

Nachdem ich meine Unterkunft bezogen habe, sammelte ich meine ersten Eindrücke.
Da ich das erste mal in Jalta und auf Krim war, kenne ich natürlich nicht den Unterschied zur Ära in welcher die Krim zur Ukraine gehörte.
Was mir sofort ins Auge stieß, war die Präsens von vielen kleinen und großen Gesten, die die Zugehörigkeit zu Russland und die Freude über diesen Wandel zur Schau stellten.

Es war die Zeit kurz vor der ersten Regionalwahl auf Krim unter Zugehörigkeit zu Russland!

Es war die Zeit kurz vor der ersten Regionalwahl auf Krim unter Zugehörigkeit zu Russland!

Ich beobachtete diesen Konvoi, in den ich hineingeraten bin, und habe festgestellt, dass der entgegenkommende Verkehr fast immer mit Lichthupe grüßte.

Ebenfalls gab es auf dem Boulevard am Hafen von Jalta fast jeden Abend eine Art „Tanz“ für ältere Einwohner.

Für einige ältere Einwohner von Jalta (Yalta) ein Highlight. Der Tanz bis in den Sonnenuntergang.

Für einige ältere Einwohner von Jalta (Yalta) ein Highlight. Der Tanz bis in den Sonnenuntergang.

Zeitweise beteiligten sich daran auch Touristen. Die Musik war meist volkstümlich und eine Art „Schlagermusik“

Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass die Medienberichte, wie z.B. im Spiegel, welche suggerierten, dass aufgrund der politischen Situation die Touristen auf Krim ausblieben, zum grössten Teil gelogen waren.
Auch der Vermieter meiner Unterkunft, ein Ukrainer, konnte nicht bestätigen, dass der Tourismus gelitten hat. Anstelle vieler ukrainischer und ausländischer Touristen kamen nun viel mehr Russen nach Jalta und sorgten für gute Belegung der Unterkünfte.
Die Touristenströme aus der Ukraine, so wie es zuvor die Regel war, sind stark zurückgegangen. So fiel mir auf, dass Restaurants, in denen ukrainische Fernsehsender auf den Grossbildschirmen liefen, oft weniger besucht waren.

Viele Touristen trugen T-Shirts mit politischen Slogans, wie „Politly People“ oder „Wir warten auf die Sanktionen“ oder Kleidung in Nationalfarben der Marke „Bosco“.
Das Design dieser Sport- und Freizeitkleidung ist für meinen Geschmack sehr gelungen!
Sehr oft jedoch sah auch ich Kleidung mit US-Flagge, Bundesadler und britischer Flagge. Die Menschen dort, so mein Eindruck, fühlen sich zwar als Russen, lieben aber auch den westlichen Lebensstil und tragen das zur Schau!

Insgesamt hat so gut wie nichts auf die frühere Zugehörigkeit zur Ukraine hingewiesen. Lediglich einige Hinweisschilder in Restaurants waren noch auf Ukrainisch.

Ankunft in Jalta (Yalta) und Verkehrsmittel

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Busbahnhof (ein Teil davon) in Jalta

Für die Reise von Simferopol nach Jalta, knapp 90km, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Taxi, den Trolleybus, den Bus oder ein „Marschroutcar“.

Taxi ist für unsere Verhältnisse sehr billig, jedoch im Vergleich zum Trolleybus und „Marschroutcar“ sehr teuer.

Beispiele:
Taxi kostet 2500 Rubel,
„Marschroutcar“ 100 Rubel,
Trolleybus 51 Rubel und der
normale Bus 120 Rubel.

Ich habe mich für das „Marschroutcar“ entschieden. Es fährt sehr flexibel, nach der Devise, wenn der Kleinbus voll ist wird losgefahren und der Nächste steht schon bereit. Ein sehr effizientes System. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist diese Art der Personenbeförderung eine Domäne der dort lebenden Tataren. Das System funktioniert. Schwarzfahrerei ist ausgeschlossen, weil persönlich abkassiert wird.
Zudem gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: pro Kleinbus gibt es zwei freie Plätze für Rentner oder Schwache!

Ok, ich möchte mich nicht zur Fahrt äußern. Ich habe keine schwachen Nerven, aber offensichtlich sind sie nicht stark genug für dieses Reisemittel)))

In Jalta angekommen wählte ich sicherheiltshalber den öffentlichen Bus. Dieser kostet pro Fahrt innerhalb Jalta (Yalta) 5 Rubel.

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Ein voll besetzter Bus. Wie ich später erfuhr eine Errungenschaft der Wiedervereinigung. Denn bis Frühling 2014 gab es wohl keine modernen Busse, nur sehr alte, abenteuerliche Gefährte, die allerdings noch nicht komplett aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Auch hier ist es möglich das „Marschroutcar“ zu nutzen, welches je nach Bedarf fährt und 20 Rubel kostet und ebenfalls zwei freie Plätze für sozial Schwache reserviert hat.

Nach insgesamt 2h Reisezeit vom Flughafen Simferopol nach Jalta (Yalta) erreichte ich nun per Bus meine Unterkunft und konnte anfangen meinen Urlaub in Jalta (Yalta) zu genießen))))

….

Anreise II

Blick aus dem Flugzeug! Die Konstellation war einzigartig. Die Sonne warf einen Schatten des A320 auf die Wolken. Rundherum ein Regenbogen)))

Blick aus dem Flugzeug!
Die Konstellation war einzigartig. Die Sonne warf einen Schatten des A320 auf die Wolken. Rundherum ein Regenbogen)))

Für die Reise auf die Krim empfiehlt es sich nach Simferopol zu fliegen.
Der Landweg führt durch die Ukraine oder über Kertsch. Von Kertsch aus kann man mit der Fähre die Krim erreichen ohne durch die Ukraine zu müssen.

Beides, sowohl der Landweg durch die Ukraine, als auch die Nutzung der Fähre kann ich nicht empfehlen.

Der Weg durch die Ukraine zur Krim ist gefährlich, weil aufgrund der politischen Verstimmung der Grenzübergang zur Tortur werden kann. In verschieden Foren las ich, dass es Leute gab, die zwar die Grenze passieren konnten, allerdings ohne das eigene PKW weiter zu besitzen. Ich wollte den Wahrheitsgehalt dieser „Erlebnisse“ nicht überprüfen.

Der Weg mit der Fähre über Kertsch ist weniger riskant, allerdings unberechenbar. Es ist die einzige Verbindung von Russland zur Krim. Somit sind tagelange Wartezeiten im Sommer nicht selten. Ausserdem kann es, wenn der Wind zu stark ist, tagelang zum Ausfall der Fähren kommen, .

Blieb also der Flieger!!

Leider gibt es keine Direktverbindung von Deutschland nach Simferopol. Das wäre auch politisch nicht möglich, denn für die EU liegt der Flughafen offiziell in der Ukraine!
So gibt es zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit eins: Über Moskau.
Möglichkeit zwei: Über Sankt Petersburg.
Ich habe mich für Möglichkeit eins entschieden. Also knapp 2 Stunden und 20 Minuten von Berlin nach Moskau und dann knapp zwei Stunden später von Moskau nach Simferopol. Ebenfalls knapp 2 1/2h.

Bei der Landung gab es die erste Ernüchterung. Der Flughafen ähnelt einem großen Militärgelände. Nicht gerade einladend.
Dann die zweite Ernüchterung. Mein Gepäck kam nicht an. Es blieb beim Transfer in Moskau liegen.

Doch alles sollte sich zum Guten wenden…..

Anreise

Zum Zeitpunkt, als ich meine Reise plante, gehörte die Krim zur Ukraine.
Eine Einreise war denkbar einfach. Lediglich ein Reisepass wurde benötigt.

Das änderte sich nach der Wiedervereinigung mit Russland. Nun galten die russischen Einreisebestimmungen. Es war ein Visum notwendig. Auch das ist normalerweise kein Problem, wenn es nicht das Wörtchen „Wenn“ gäbe!

1. Tun sich unsere Regierung, die EU und vor allem die USA sehr schwer damit zu akzeptieren, dass Krim nun wieder zu Russland gehört, so wie es in der Geschichte der Halbinsel der Normalfall war.
Diese Spiel gipfelt in einer „Reisewarnung“ die, wie ich heute weiß, nichts anderes ist als „Unbegründet“.

Dennoch, bevor ich die Reise antrat, hat mich diese Reisewarnung sehr verunsichert!
Dazu kamen Falschmeldungen in „Spiegel“ und Co. welche mir den Eindruck vermittelten, dass ich wohl der einzige Tourist dort sein werde.

2. Für ein Erstvisum (Gastvisum) benötigte ich eine gültige Einladung.
Das war für den Besitzer meiner Pension (ein Ukrainer) eine große Schwierigkeit, weil dafür der Besitzer einen gültigen russischen Pass benötigte. Ich danke ihm sehr dafür, dass er diese Arbeit auf sich genommen hat, weil es eine fast unmögliche Aufgabe war!

Die Behörden waren voll von Flüchtlingen aus den umkämpften Regionen Lugansk und Donezk. Sie flohen aus Angst vor einem Genozid an Russen durch bestimmte Bataillone der Ukrainischen Armee, die rassistisch unterwandert sind und vor dem Bürgerkrieg!
Auf russischem Gebiet suchten sie Schutz. Ebenfalls, darauf möchte ich hinweisen, gab es grosse Flüchltingsströme Richtung Ukraine! Hier flohen Ukrainer aus Angst vor den „Prorussischen Separatisten“!

3. Eine Beantragung des Visums für den Besuch war gleichzusetzen mit der Anerkennung der „Annexion“ durch Russland!
Damals habe ich mir darüber noch einige Gedanken gemacht. Heute bin ich schlauer 😉

Trotz alle Hindernisse….. Ich habe das Visum erhalten! Hilfsbereite Mitarbeiter des russischen Konsulates haben unter Rücksicht auf die besondere Situation ein Äuglein zugedrückt…..

Nun Stand meiner ersten Reise nichts mehr im Weg…

Vorgeschichte

Schon als Kind, träumte ich davon, einmal in meinem Leben nach Jalta (Yalta) zu Reisen. Mein Großvater berichtete mir mit leuchtenden Augen von der Schönheit der Halbinsel Krim und Yaltas, brachte Feigen und Granatäpfel mit. Für mich war dies, wie Geschichten aus einer anderen Welt! Auch mein Vater, welcher an der Drushba-Trasse gearbeitet hat, brachte mir von seinen Reisen Geschenke aus dieser Welt mit.

Ja, ich war ein Kind der DDR, hatte Brieffreundschaften mit Kindern aus der UdSSR und der Slowakei. Für mich war allein die Möglichkeit Palmen zu sehen ein erstrebenswertes Ziel!

Dieses Jahr holte mich dieser Traum ein.
Ich beschloss die Halbinsel Krim zu bereisen und vor allem Jalta (Yalta) zu besuchen.

Als ich meine Reise plante, war die Krim ein Teil der Ukraine. Eine Reise dorthin war nicht schwer. Lediglich ein Reisepass genügte. Doch dann ereignete sich im Frühling dieses Jahr bedeutendes! Die Krim, so las ich in unseren Medien wurde von Russland annektiert!

Was nun?…..