Das Leben ab 2014 nach der Wiedervereinigung

Vieles habe ich bisher zum Leben auf Krim, nach dem Maidan in Kiew, geschrieben. Hier möchte ich mal kurz zusammenfassen wie sich das Leben, Stand September 2015, darstellt und was mir vor Ort aufgefallen ist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Krim gehört wieder zu Russland. Wer davor nicht dort gewesen ist, wird nicht glauben, dass es einmal anders war!

Nach meinen Eindrücken ist die Wiedervereinigung mit Russland ein direktes Ergebnis des Maidans. Nicht weil in der Ukraine ein Regierungswechsel stattgefunden hatte, dass war auch bei der orangenen Revolution mit Timoschenko als Präsidentin der Fall.
Es kam so, weil erkennbar antirussische Kräfte mit Hilfe der USA und der EU an der Macht beteiligt wurden. Es kam so, weil die Menschen, die zuvor in der „Automen Republik Krim“ gelebt haben, Angst vor Repressionen und vor allem vor kriegerischen Auseinandersetzungen, ähnlich im Donbass, hatten. Es kam so, weil die Menschen in der „Autonomen Republik Krim“ weiterhin russisch als Amtssprache behalten wollten und weil die Menschen die dort lebten, in überwältigender Mehrheit den Anschluss an Russland wollten.

Es wird viel gebaut.

Sowohl in Simferopol als auch im Großraum Yalta fällt auf, dass sehr viel gebaut wird.
So wurde in nahezu einem Jahr der Flughafen in Simferopol wesentlich vergrößert. Eine bauliche als auch logistische Meisterleistung, denn entgegen meiner Erwartungen ist nicht nur zweckmäßig, sondern auch ansehnlich gebaut worden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Terminal A, nachts um halb eins

Ebenfalls wurden die Schulen saniert und auf modernen Stand gebracht. So manche Schule in Deutschland hätte gern solche Ausstattung:

WP_20140828_005

Beamer, Interaktives Whiteboard, PC, TV

Erstaunlicher Weise waren in dieser Schule am Rande von Yalta fast alle Räume technisch auf neuestem Stand. Auch die Wege von den Bushaltestellen zu den Schulen wurden saniert.

100_8332

Mein erster Eindruck: Nicht nur am Hafen, überall in Yalta (Jalta) wird gebaut. Die Region putzt sich für die Saison heraus))

Erneuert wurden in Yalta Passagen der Promenade. Parallel wird massiv in neue Appartements investiert.

Das Leben ist teurer aber besser geworden.

Es klingt zuerst widersprüchlich. Die Preise für Lebensmittel sind innerhalb eines Jahres spürbar gestiegen. Allein in der Zeit vom Oktober 2014 bis Frühling 2015 um ca. 20%.
Ursachen dafür gibt es viele. Nennenswert sind der Rubelverfall, die Handelsverhinderungen seitens der Ukraine, die Sanktionen Russlands gegenüber der EU und der erhebliche Einkommenszuwachs.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

wer gut und frisch kaufen möchte, geht auf den Markt

WP_20140824_001

Auf dem Markt in Yalta gibt es alles, was den Gaumen kitzelt….

Den Preissteigerungen entgegen wirkt der, gegenüber der Ukraine wesentlich höhere, Lebensstandard in Russland. So bekommen Rentner mindestens die doppelte Rente und z.B. Lehrer mehr als das doppelte Gehalt. Dies gilt für jeden Bewohner der Krim, unabhängig seiner Wurzeln, also egal ob Russe, Ukrainer oder Tatar. Einzige Bedingung ist die Beantragung des russischen Passes.

Highlight

Für einige ältere Einwohner von Jalta (Yalta) ein Highlight. Der Tanz bis in den Sonnenuntergang.

Ganz ohne Kosten genießen überwiegend ältere Einwohner den Tanz in den Abend. Hierzu werden für zwei oder drei Stunden, ich habe die Zeit nicht gemessen, „sowjetische“ Schlager und Folklore gespielt. Das Bild hier zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der temporären Tanzfläche.
Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass die Menschen sich etwas vormachen. Das Leben in den Städten und Dörfern ist gelassen. Der Politik und den Medien wird nicht zu sehr getraut.

Es ist sehr voll.

Wer hiesigen Medien glauben schenkt, wird glauben, dass aufgrund der Sanktionen, der Reisewarnungen und des Wegfalles ukrainischer Touristen, die Urlaubsgebiete menschenleer sind.

Die Realität sieht so aus:

15 Stadtstand 190915 2

September, also außerhalb der Hauptsaison 2015 am Stadtstrand von Yalta

15 Stadtstand 180915

Ebenfalls im September 2015 aufgenommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

hier eine Aufnahme aus dem Mai aus Gurzuf.

Der Tourismus lebt. Die Menschen kommen hauptsächlich aus Russland, seid 2015 aber auch zunehmend aus China, Georgien und vermehrt wieder aus Deutschland.
Bei meiner letzten Reise nach Simferopol waren aus mir mindestens sechs weitere Deutsche im Flugzeug. Auch auf der Strandpromenade in Yalta ist zunehmend wieder „Deutsch“ zu hören.

Die Hotels sind gut ausgebucht, bei solchen Ansichten:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

oder solchen:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Gurzuf im März 2015 am späten Nachmittag

ist das auch kein Wunder!

 

 

 

 

Advertisements

Ankunft in Jalta (Yalta) und Verkehrsmittel

Olympus

Busbahnhof (ein Teil davon) in Jalta

Für die Reise von Simferopol nach Jalta, knapp 90km, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Taxi, den Trolleybus, den Bus oder ein „Marschroutcar“.

Taxi ist für unsere Verhältnisse sehr billig, jedoch im Vergleich zum Trolleybus und „Marschroutcar“ sehr teuer.

Beispiele:
Taxi kostet 2500 Rubel,
„Marschroutcar“ 100 Rubel,
Trolleybus 51 Rubel und der
normale Bus 120 Rubel.

Ich habe mich für das „Marschroutcar“ entschieden. Es fährt sehr flexibel, nach der Devise, wenn der Kleinbus voll ist wird losgefahren und der Nächste steht schon bereit. Ein sehr effizientes System. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist diese Art der Personenbeförderung eine Domäne der dort lebenden Tataren. Das System funktioniert. Schwarzfahrerei ist ausgeschlossen, weil persönlich abkassiert wird.
Zudem gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: pro Kleinbus gibt es zwei freie Plätze für Rentner oder Schwache!

Ok, ich möchte mich nicht zur Fahrt äußern. Ich habe keine schwachen Nerven, aber offensichtlich sind sie nicht stark genug für dieses Reisemittel)))

In Jalta angekommen wählte ich sicherheiltshalber den öffentlichen Bus. Dieser kostet pro Fahrt innerhalb Jalta (Yalta) 5 Rubel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ein voll besetzter Bus. Wie ich später erfuhr eine Errungenschaft der Wiedervereinigung. Denn bis Frühling 2014 gab es wohl keine modernen Busse, nur sehr alte, abenteuerliche Gefährte, die allerdings noch nicht komplett aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Auch hier ist es möglich das „Marschroutcar“ zu nutzen, welches je nach Bedarf fährt und 20 Rubel kostet und ebenfalls zwei freie Plätze für sozial Schwache reserviert hat.

Nach insgesamt 2h Reisezeit vom Flughafen Simferopol nach Jalta (Yalta) erreichte ich nun per Bus meine Unterkunft und konnte anfangen meinen Urlaub in Jalta (Yalta) zu genießen))))

….