zur politischen Situation… Januar 2015

Viele Menschen sind am Hafen von Yalta unterwegs und genießen das frühlingshafte Wetter.

Viele Menschen sind am Hafen von Yalta unterwegs und genießen das frühlingshafte Wetter.

Auch diesmal bin ich mit einem schweren Rucksack voller schlechtem Gewissen ob unserer Außenpolitik gegenüber Russland auf die Halbinsel Krim gereist. Ich wusste, dass  die Sanktionen und die Ölpolitik der Bevölkerung dort zusetzen und Russland zunehmend wirtschaftlich schaden. Auch war mir klar, dass die eindeutige Parteinahme unserer Regierung, zu Gunsten der ukrainischen Regierung im Bürgerkrieg in der Ostukraine, die russische Seele verletzt.

Umso überraschter waren meine Eindrücke vor Ort.

Das Leben in und um Yalta (Jalta) ist völlig normal. Russen, Ukrainer und Tataren, so mein Eindruck, leben wie gewohnt miteinander und nebeinander.

Es herrscht die allgemeine Meinung, dass der Konflikt in der Ukraine von außen hereingetragen wurde. Russenhass von Ukrainern und Hass auf Ukrainer von Russen habe ich in keiner Sekunde zu spüren bekommen.

Viele Ukrainer und Russen dort kennen sich ein Leben lang, sind teilweise familiär miteinander vermischt, lassen sich nicht gegeneinander aufhetzen.

Ebenfalls ist es interessant, wenn man auf die politischen Entwicklungen in Deutschland schaut, dass das Leben dort ein Musterbeispiel an Toleranz und Akzeptanz verschiedener Religionen ist.

Eine kleine Kirche in Yalta.

Eine kleine Kirche in Yalta.

Russisch orthodoxe und katholische Kirchen gehören zum Stadtbild. Ebenfalls gibt es einige Moscheen für Muslime. Kein Wunder, denn hier leben seid vielen Jahrhunderten viele Religionen friedlich neben- und miteinander.

eine russisch orthodoxe Kirche in Yalta

eine russisch orthodoxe Kirche in Yalta

Das Zusammenleben und die gegenseitige Akzeptanz der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zeigt sich in vielen Nuancen. So war ich zum Beispiel in „Koreis“ , einer Stadt ca. 30 km entfernt von Yalta (Jalta), in einem unscheinbaren aber sehr beliebtem tatarischen Restaurant. Die Speisekarte beinhaltete natürlich typische und sehr schmackhafte tatarische Speizialitäten, wie Plow, ein Reisgericht, Julia Kebab, ähnlich Cevapcici und Chebureki, eine Teigtasche gefüllt z.B. mit Fleisch oder Käse. Es gibt aber auch Bortsch und Solianka.

Unscheinbar, aber sehr gut und beliebt,  ein tatarisches Restaurant in Koreis.

Unscheinbar, aber sehr gut und beliebt, ein tatarisches Restaurant in Koreis.

Die Gäste, meist Russen und Ukrainer lieben dieses Restaurant. Ein echter Geheimtipp!

Auch fiel mir auf, dass in Restaurants meist ukrainische Fernsehsender liefen. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass das ukrainische Fernsehprogramm moderner sei als dass Russische. Die Aussage bezog sich aber nur auf die Krim, nicht auf Moskau oder St. Petersburg.

In einer weiteren Diskussion wurde mir klar, das auch die russischen Medien ihre Arbeit verstehen. Ähnlich, wie bei uns, wo die Medien versuchen die Bevölkerung auf Kurs der Regierung zu halten, ist es in Russland. So waren natürlich die  PEGIDA -Demonstrationen ein großes mediales Thema. Die Folge daraus, es gibt nicht wenige Menschen dort, die glauben, dass Angela Merkel in Deutschland heftigen Gegenwind zu spüren bekommt. Leider musste ich diese Einstellung korrigieren und klar stellen, dass Frau Merkel innenpolitisch ziemlich fest im Sattel sitzt und ihre Außenpolitik mit viel zu viel Gleichgültigkeit hingenommen wird.

Was mir ebenfalls sehr zu Denken gegeben hat ist ein weiterer Fakt. Sehr viele Ukrainer, vornehmlich aus dem Osten der Ukraine fliehen auf Krim, wohl wissend dass die Halbinsel Krim nun russisch ist. In meinen Augen ein Indiz, nein mehr noch, ein Beweis dafür, das der Krieg dort nicht der Krieg der Bevölkerung ist. Der Krieg ist untypisch, kein normaler Krieg. Es gibt keine Front von Russen gegen Ukrainer und Ukrainer gegen Russen. Die Menschen wollen diesen Krieg nicht, sie sehen keinen Sinn in dieser Konstellation. Der Krieg basiert eindeutig auf Gründen die nicht von der Bevölkerung getragen werden. Ich würde mir wünschen, dass unsere Politiker mal einen  Ausflug in diese Region machen, mit den Menschen dort reden, zur Kenntnis nehmen, dass viele ukrainische Flüchtlinge dort sind, weil sie nicht in die ukrainische Armee eingezogen werden möchten, dass die Ukrainer, zumindest die Ostukrainer, ein Problem damit haben ein Feindbild gegen die pro-russischen Separatisten aufzubauen. Die Menschen dort sind sich nicht Feind und wollen keinen Krieg!

Liebe Leser, bitte denkt darüber nach, und wenn Ihr es nicht glauben wollt, beantragt ein russisches Visum und überzeugt Euch vor Ort davon, dass hier etwas schäbiges, verwerfliches und ethisch nicht vertretbares passiert! Die Sanktionen sind ein Farce (Ich wiederhole mich). Wenn Völkerrecht für Völker gemacht wurde, dann ist die Argumentation der EU, der USA und unserer Regierung, im Falle der Krim, mehr als scheinheilig!

Am Gipfel des Ai Petri, einem Berg nahe Yalta (Jalta) erkennbar tatarisch geprägt.

Am Gipfel des Ai Petri, einem Berg nahe Yalta (Jalta) erkennbar tatarisch (muslimisch) geprägt.

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5 Gedanken zu „zur politischen Situation… Januar 2015

  1. Hab in einem ZEIT – Kommentar diese Seite gefunden.
    Vielen Dank für die Beschreibungen und wunderschönen Fotos!
    Wir hatten eigentlich die Idee, in diesem Jahr im Sommer den Urlaub auf der Krim zu verbringen um auch vor Ort die Möglichkeit zu haben, den Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Durch die Sanktionen gegen die Krim, haben wir nun das Ziel mit St. Petersburg geändert – ist sicher nicht ideal aber dann macht die Unterstützung eben einem Umweg.
    Wenn Sie persönliche Beziehungen haben, ist es möglich , in Erfahrung zu bringen, wie man am besten und effektivsten unterstützen bzw. helfen kann?

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    • Hallo Gabriella,

      vielen Dank für den Kommentar.
      Ihre Frage nach möglicher Hilfe und Unterstützung berührt mich.
      Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass, wenn es überhaupt kein Problem ist auf die Halbinsel Krim zu fliegen. Simferopol kann von St. Petersburg und Moskau angeflogen werden. Mit einen Russland-Visum ist es also kein Problem, sofern es nicht ein reines Touristenvisum ist. Bei einem Touristenvisum muss man im Vorfeld das Reiseziel angeben und sich vor Ort einen Stempel beim „Meldeamt“ abholen.
      Im Grunde brauchen die Menschen auf Krim nicht die Hilfe, die sie vielleicht meinen. Der Tourismus ist nicht weggebrochen. Nächsten Sommer könnte es sogar passieren, dass die Krim aus allen Nähten platzt, weil der Rubel so stark abbewertet wurde, dass sich viele Russen keine Auslandsreise mehr leisten können.
      Was den Menschen vor Ort aber sehr hilft, ist zu sehen, dass es Deutsche gibt, die, aus Liebe zur Halbinsel Krim, trotz Sanktionen und Reisewarnung dort Urlaub machen. Dass wir den Russen unseren Respekt und unseren Unmut gegenüber der deutschen Aussenpolitik zeigen. Das wir zeigen, dass es in Deutschland viele gibt, die die Wiedervereinung der Krim mit Russland respektieren.
      Das sind meine Eindrücke und Erfahrungen und es zaubert den Einwohnern ein Lächeln ins Gesicht)))
      Ich persönlich versuche mich zusätzlich vor Ort zu integrieren. Ich wohne in privaten Unterkünften, mische mich unter das Volk, gehe dort zum Friseur, zum Optiker, auf den Frischemarkt…und freue mich, wenn sich die Verkäufer oder Friseurin…. an mich erinnern, wenn ich nach der nächsten Reise wiederkomme.
      Ebenfalls zeige ich interesse für die Geschichte und Geschichten der Menschen.
      Nach hause nehme ich dann immer Wein von „Massandra“ und genügend „Tee“ mit)))
      Das ist meine Hilfe.
      Finanzielle Hilfsbedürftigkeit habe ich zum Glück noch nicht festgestellt und ich hoffe wirklich sehr, dass es so bleibt!

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  2. guten Morgen , muinegi,
    es hört sich ziemlich kompliziert an, z.Zt. auf die Krim zu kommen…..ist ja fast eine Fernreise ;o))
    Leider haben wir nicht so viel Zeit und ich denke, dass es auch nicht falsch ist, in Russland zu zeigen, dass man NICHT wie die deutsche Regierung ist!
    Ich bin auch häufig im Gespräch mit Russen, Ukrainern, die in Berlin arbeiten…….sie tauen zwar etwas auf wenn man ihnen deutlich sagt, dass man von der EUSANATO-Politik nichts hält aber sie sind fast zu stolz um, um Hilfe zu bitten. Sie klären diese Sachen lieber unter sich…..
    Es freut mich zu lesen, dass es auf der Krim relativ gut geht und die Menschen wissen was sie tun….
    Freue mich, noch mehr Geschichten von ihnen zu lesen……
    Spielt eigentlich der „Chirurg“ auf der Krim eine Rolle?

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  3. Hallo Gabriella,

    also wirklich kompliziert ist die Reise auf krim nicht, aber es ist definitiv eine Fernreise )))
    Ich bin mir aber Sicher, dass die Menschen in St. Petersburg mit Wohlwollen Ihren Besuch quittieren werden)
    Und ja, die Russen und Ukrainer haben wirklich Ihren Stolz. Ein wenig davon wird Teil einer meiner nächsten Berichte über Krim sein.

    Zu den „Nachtwölfen“. Sie sind nicht wirklich ein Thema, zumindest habe ich noch nicht über sie gesprochen, werde aber mal nachfragen. Gesehen habe ich mehrfach Motorradgangs auf der Strasse, für meine Begleiter war das aber offensichtlich nichts besonderes und kein spezielles Thema.

    Viele Grüße und Viel Spaß in St. Petersburg!

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