Das Leben und die Menschen auf Krim…. Fortsetzung

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Oktober 2014 auf der Promenade in Yalta

Ich muss zugeben, vor meiner ersten Reise nach Yalta hatte ich gemischte Gefühle, als ich darüber nachdachte, dass ich als Deutscher nach Russland in eine Region reise, die erneut unter deutscher Politik leidet. Ich hatte schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen die dort leben und hätte mögliche Kritik gegenüber mir, meiner Herkunft und dem Tun unserer Politik sehr gut verstanden. Mehr noch, ich bin mit der Bereitschaft und dem Vorsatz dorthin gereist, mich für unsere Politik zu entschuldigen und den Menschen zu erklären, dass es in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die mit unserer Außenpolitik nicht einverstanden sind.

Doch es kam ganz anders!

Schon auf dem Flughafen in Moskau, bei den dortigen Kontrollen, spürte ich eine erweiterte Freundlichkeit, wenn realisiert wurde, dass ich mit einem Touristenvisum nach Simferopol fliege. Mir wurde ein angenehmer Aufenthalt gewünscht.

Ähnlich verhielt es sich in Simferopol, bei der Ankunft und beim Abflug.
Auch in Yalta wurde ich durchweg sehr freundlich und herzlich behandelt. Meine ganzen Sorgen, die ich mir im Vornherein machte, waren unbegründet. Vor allem in Yalta haben sich die Menschen, die bemerkt haben, dass in dieser politischen Situation ein Deutscher hier Urlaub macht, sehr darüber gefreut. Mehr noch, einige waren sehr Stolz auf mich als Touristen!

Meine Anwesenheit hat Einige herausgefordert und dazu veranlasst mich in Gespräche über die Schönheit Russlands, die nun endlich wieder hergestellte Zugehörigkeit der Krim zu Russland, aber auch über Deutschland, den Zweiten Weltkrieg, deutsche Gründlichkeit und……….. die besten Autos der Welt, die aus Deutschland kommen))) zu verwickeln.

An einigen Tagen hätte ich von morgens bis abends „Trinkpartner“ gehabt, ohne dafür zahlen zu müssen. Das habe ich natürlich nicht angenommen))). Ich wollte wenigstens tagsüber bei vollem Bewusstsein bleiben.

Nach diesen ersten Erfahrungen beschloss ich etwas diskreter, unauffälliger aufzutreten.

Ein Erlebnis jedoch wird mir für immer in Erinnerung bleiben:

Massandra Beach in Yalta

Massandra Beach in Yalta

Ich war am Nachmittag bei bestem Wetter am Massandra Beach baden und bin für eine Zigarette (Rauchen am Strand ist verboten!) die Treppen hinauf an einen Raucherplatz gegangen. (Siehe Foto)
Hier kam ein Tourist aus Nizhny Novgorod hinzu und fragte mich nach Feuer. Diese Frage habe ich noch verstanden und entsprechend ausgeholfen. Dann begann er mit mir zu Reden. Ich verstand fast nichts und gab ihm zu verstehen, dass ich besser Deutsch oder Englisch spreche. Er begann zu strahlen, freute sich so sehr über mich, dass er mich umarmte, seinen Mitreisenden zurief, dass hier ein Tourist aus Deutschland ist. Er packte ein paar deutsche Wörter aus und freute sich so sehr, dass auch ich mich zu Freuen begann))
Viele Umarmungen und Handschläge folgten.

Dann jedoch, kurz bevor er den Strand verließ kam er zu mir und gab mir eine Tüte mit einem Gebäck, welches ähnlich unseren Salzbrezeln war, welche wir aus den Party-Knabbermixen kennen. Er bat mich es zu essen und sagte, dass ich, wenn ich es esse,  seiner Mutter helfe.
Meine Begleitung erklärte mir, dass es ein Brauch ist, wenn Menschen in Trauer sind. Auf diese Weise wird versucht, den Verstorbenen Glück im Jenseits zu bringen.
Das Gebäck hat nicht wirklich meinem Geschmack entsprochen, aber aus Respekt vor der Geste des Touristen habe ich es gegessen und war gerührt!

….

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2 Gedanken zu „Das Leben und die Menschen auf Krim…. Fortsetzung

  1. Pingback: Das Leben und die Menschen auf Krim / Fortsetzung « bumi bahagia - glückliche Erde

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